„Lasst uns aufeinander achten! Wir wollen uns zu gegenseitiger Liebe ermutigen und anspornen, Gutes zu tun.“

(Hebräer 10,24, Hfa)

 

Bemerkt wird’s, wenn’s fehlt

Es gibt kaum etwas, das ich weniger in meinem Alltag wahrnehme, als die Luft in meinem rechten Hinterrad. Mein Auto fährt. Es funktioniert alles. Aber sobald die Luft raus ist, legt der Platten mein Auto lahm. Erst jetzt merke ich, dass dort etwas war, was jetzt fehlt.
So gibt es viele Dinge, die erst auffallen, wenn sie nicht mehr da sind. Leider ist es auch manchmal mit uns Menschen so. Wir nehmen uns für selbstverständlich, leben nebeneinander her. Sitze ich mit meiner Frau am Frühstückstisch, strukturiere ich in meinem Kopf das Tagesgeschäft. Passe ich auf meine Kinder auf, schwelgen meine Gedanken um das nächste Predigt-Thema. Mein Körper ist im hier und jetzt anwesend, doch mein Kopf ist weit in der Zukunft. Er merkt nicht, dass er die Gegenwart verpasst.

Besonders bewusst wurde es mir, als ich im vergangenen Jahr von einem lieben Menschen Abschied nehmen musste, weit vor seiner Zeit. Da war noch einiges, das ich ihm sagen wollte. Der Abschied hat mich sensibel gemacht für den Umgang mit meinen gegenwärtigen Beziehungen. Sie sind nicht selbstverständlich. Ich möchte sie bewusst wahrnehmen. Sie sollen wissen, dass ich dankbar für sie bin. Ich möchte ihnen meine volle Aufmerksamkeit schenken, wenn ich mit ihnen zusammen bin. Ich möchte mit ihnen Gegenwart teilen.

Wenn der Bibeltext dazu einlädt, dass wir aufeinander achten, heißt das auch, dass ich meinen Mitmenschen durch meine Aufmerksamkeit achte. Aus dieser Begegnung komme auch ich nicht leer zurück. Da, wo Menschen sich wahrnehmen, entsteht ein Dialog, der wiederum etwas in mir bewegt. „Wir wollen uns zu gegenseitiger Liebe ermutigen und anspornen Gutes zu tun.“

 

Schöne Begegnungen wünscht Ihnen
Manuel Füllgrabe
(Pastor der Harzer Adventgemeinden)